Liederschreiben am Meer.

Und vielleicht, in einer dunklen Höhle, verborgen unter Bambus und grünen Blättern, lauert das Ich, das Sein, das ich schon lange hüte und pflege. Verwöhne vielleicht mit meiner Mimosenhand, mit meinem Marmeladenherzen, mit meiner Variation des alltäglichen Wahnsinns. Vielleicht ruht in einem der Schatten verborgen meine Seele und hat sich zusammengerollt zu einem nicht enden wollenden Winterschlaf. Vielleicht. Vielleicht bin ich nicht an Vielleichts gewöhnt, die doch nur zerschlagen werden.

Und wecken sollte ich sie. Und aufstehen sollte ich, diesen Raum verlassen und das Feld bestellen. Einige Saaten aussortieren. Die Blüten streicheln und die braunen Blätter abtrennen. Ein leises Feuer machen und gutes Essen kochen. Den Wind in meinem Haar wühlen lassen und es noch mehr zersausen, so lange, bis ich mir nicht mehr ähnlich sehe in ihren Augen.
Und die rote Haut wird langsam braun werden und sich zu echtem Leder wandeln. Und ich werde seine Augen berühren und mein Spiegelbild wird direkt aus seinem Gesicht auf mich zurückfallen.

Und ich werde meine Tasche packen, kleine Papiertüten voller Gefühle. Sie werden leicht sein, endlich so leicht, dass ich sie alleine tragen kann. Und allein werde ich sein in den Gebäuden meines Eigenbrödlertums, die viele Türen haben und doch nicht zu betreten sind.
Und du fragst mich, warum ich mit einem Kabel verbunden bin wie mit einer Nabelschnur. Und ich sage dir, dass ich sonst nicht leben könnte.
Und du suchst das andere Ende des Kabels, um zu sehen, woher mein Leben kommt, aus was es die Energie zieht.
Und ich sage dir, das andere Ende ist nicht zu finden für die Augen des Neugierigen. Nicht sichtbar für die Augen des Fordernden, des Erwartungsvollen, des Gierigen. Und du schweigst. Und ich wünschte, ich konnte mit Gott verhandeln, dass er unsere Plätze tauscht, während wir diesen Berg hinauflaufen.

Vielleicht reise ich bis an das Ende deiner Welt und schicke Rauchzeichen von dort denn es wird kein Internet geben und kein Telefon. Keine Handys, die im Dunkeln glühen und schwirren wie kleine Insekten mit 1000 Flügeln statt Beinen.
Vielleicht werde ich eine Flaschenpost schicken. Aber es ist nicht wahrscheinlich. Wie nichts wahrscheinlich scheint, wenn ich in eure Augen sehe. Spiegel der Seele, doch die Seele ist leer die Gesichter sind Schatten, Sonnenstudio geküsst, fragwürdige Verwandtschaft im Blick und so viel Zweifel, so viel Selbsthass, so viel Leere, so viel still.
Die leisen Schritte auf den Treppen in den Keller, die stillen Worte, die ihr denkt und niemals sagt, die lauten Worte, mit denen ihr große Stücke aus dem Kuchen schneidet und euch gierig darüber her macht. Ich kenne es. Es höhlt mich aus.
Vielleicht deshalb Feuer. Oder nur Rauch in meinen Augen, als ich versuche, das Feuer mit Benzin zu löschen.

Und ist dir je aufgefallen, wie viele Seelen sich in unseren Liedern spiegeln?
Ich spiele dir meine Platten vor.
Wenn du willst