Stift auf Papier.

Ich schreibe und schreibe und schreibe und ich komme nicht an. Meine Figuren lachen mich aus, sie zeigen mit dem Finger auf mich und sagen: „Seht mal, sie glaubt, sie kann uns kontrollieren, sie glaubt wirklich, wir würden tun, was sie sagt …“
Ich drehe mich im Kreis um meine Worte und Melodien. Meine Geschichten stellen sich auf den Kopf, meine Lieder singen sich rückwärts.
Ich will das nicht mehr in meinem Leben … und atme es gierig ein und verschlinge es, wie eine fleischfressende Pflanze, die nach der Fliege schnappt obwohl sie genug Nahrung aus der Erde bekommt.
„Ich kenne dieses Zwiegespaltensein in deinem Leben, ich habe dich so kennen gelernt, es gibt für dich nur alles oder nichts. Und du tänzelst unentwegt dazwischen hin und her. Vielleicht ist das aber auch gerade die inspirierende Kraft in deiner kreativen Entfaltung.“
(Und wenn ich und alles um mich herum tänzeln – wie kann ich jemals etwas zu Ende und zum Stillstehen bringen?)

Heute ist immer heilig und doch zu schnell vorbei, zu sehr ungenutzt, zu wenig angefüllt mit Erfüllungen eigener hoher Ansprüche. Der Moment. Ein Augenzwinkern in der Macht der Gefühle, der Gewalt unserer Worte, ihrer Worte. Die toten Augenblicke vermehren sich wie weiße Kaninchen und lächeln heller, breiter, einladender als der Moment. Und heute wird zu morgen und morgen zu gestern bevor ich mit den Augen blinzeln und nach einer der Blumen am Wegesrand greifen kann, um an ihr zu riechen und endlich einmal einen Augenblick zu genießen.
„Jeder Moment ist ein einzelnes Juwel in einer Truhe voller Steine.“
(Aber bleiben denn dann überhaupt noch Steine in der Truhe übrig? Und wie erkennt man dann den Moment?)

Und wieder lausche ich gebannt den Stimmen in der Morgendämmerung. Wie sie flüstern und sich recken nach der aufgehenden Sonne, derer sie als erste Herr werden wollen.
Und wieder lachen meine Figuren mich aus und rufen: „Seht nur, wie sie strauchelt, weil die Geschichte nicht den Lauf nimmt, den sie geplant hat, als würde die Geschichte wirklich daran denken, ausgerechnet das zu tun, was sie gerne möchte!“
Und wieder rümpfe ich die Nase, trete nach dem imaginären Stein und greife dann doch nach dieser Welle, versuche trotzdem diese schwirrende Luft zu fangen und neue Luft daraus zu weben, damit ich wieder atmen kann…

Ich schreibe und schreibe und schreibe und lege den Stift nieder und drehe das Papier um und schreibe und schreibe und schreibe.
Aber ich komme nicht an.