Fahrten.

So still sitzen sie mir gegenüber ich kann mich nicht mehr konzentrieren. Auf das, was ich sehe, und das was ich lese. Zu lesen versuche, denn ihre Stille ist so laut, ich kann nichts anderes mehr hören.
Die U-Bahn ruckt. Sie zuckt und schüttelt ihren Körper. So viele fremde Dinge in ihrem Bauch; ich muss bei der Vorstellung lächeln und verziehe das Gesicht. Ich vermute, dass sie sich jetzt rühren werden wie verzieht die denn das Gesicht, sieht merkwürdig aus, was hat die denn.
Stetig die Stille.
Die Frau scheint ihre Gedanken in den vorbeirauschenden Sträuchern zu verlieren.
Ich schaue aus dem Fenster in die Landschaft. Als würde ich sie suchen und nur ihre Stille finden.
Sie schauen sich an, sehen sich nicht. Sie schaut nur knapp an ihm vorbei, scheint zu lächeln, er schaut in die andere Richtung und schweigt.
Ich sehe auf, beiläufig, mir ist nie aufgefallen, wie sich die Bahn bewegt, ob sie in der Bahn nicht reden wollen, die ganzen fremden Leute und so viele Gesichter starren wie zufällig in ihre Richtung.
Ich versuche, mich auf einen Punkt auf meiner Hose zu konzentrieren. Wenn ich lange genug nach unten sehe, könnten sie denken, ich würde wieder lesen, sie würde leise, sanft, kaum hörbar anfangen zu murmeln Weißt du, dass sie wieder da sind, die von nebenan, ich fürchte, sie werden wieder laut werden Sei nicht so ängstlich. Ich habe Mutter Bescheid gesagt, wir werden am Sonntag hinfahren, sieh mal, hier der Kragen ist zerknickt, warte ich mach das Nun lass mich doch.
Ich richte den Kopf auf und bewege meinen Nacken hin und her.
Langsam beruhigt die Bahn sich wieder, das Ruckeln lässt nach, in scheinbarer Vorfreude auf den aussteigenden Ballast. Ich setze mich aufrecht hin. Der Beton des Bahnhofs erscheint in meinem Fensterrahmen, ich sehe weg, zur Tür.
Sie stehen auf, die Stille erhebt sich vorsichtig und schlängelt sich durch das Abteil.
Wie zufällig sehe ich auf den Bahnsteig, es geht mich ja nichts an, sie sind ja allein gefahren, nur die zwei, zusammen und komplizenhaft. Rasch gehen sie voran, er dreht sich um und reicht ihr seine Hand. Die Bahn schüttelt sich gleichgültig, befreit.
Und er lächelt.