Raus.


A: „Ich gehe nicht raus.“
B: „Warum nicht?“
A: „Weißt du, was draußen ist? Hausfrauen tragen den Wahnsinn in Plastiktüten in ihre Wohnungen. Kinder spielen verstecken und laufen vor dem schwarzen Mann davon. Ich möchte kein Teil davon sein.“
B: „Es gibt auch helle Ecken dort. Verweilen kann man nicht nur in den Schatten, die sich unter Mauervorsprüngen weben …“
A: „Das glaube ich nicht. Ich habe sie genau gesehen.“
B: „Wie das?“
A: „Durchs Fenster.“
B: „Also verzerrt.“
A: „…“
B: „…“
A: „Fürchtest du dich denn gar nicht?“
B: „Doch. Aber ich lasse nicht zu, dass es mich beherrscht. Es gibt auch schöne Momente, weißt du. Es gibt auch Wärme, draußen.“
A: „Globale Erwärmung – davon habe ich gehört.“
B: „Das meine ich nicht. Ich meine zwischenmenschliche Wärme.“
A: „Sie stirbt zunehmend aus. Sieh doch hin! Die Menschen halten nur noch an, um einen anderen zu beschimpfen. In den Straßen sterben die letzten Blüten an Autoabgasen. In den Fugen der Gehwege schichtet sich die Angst zu grauem Mörtel zusammen und schleicht sich in die Passanten. Ich möchte davon nicht berührt werden.“
B: „Dann bleibst du lieber hier in deiner eigenen Angst stecken?“
A: „…“
B: „Deine Wände atmen doch nur noch dich selbst! Die Luft zirkuliert nur noch deine Ängste. Die Schlinge zieht sich zusammen.“
A: „Ich fürchte mich nicht vor ihr. Ich kenne sie. Ich kann ausweichen, im letzten Moment.“
B: „Und irgendwann kriegt sie dich dann doch.“

[Stille baut transparente Raumteiler, manchmal Mauern. Die Stühle absorbieren Staub und das letzte Gefühl von Aufbruch. An den Fensterscheiben zeugen weiße Schlieren davon, dass die Augen verschlossen gehalten werden. Atmend werden Freunde zu entfernten Bekannten. Die Gedanken weben Teppichböden, die von strebsam-flinken Wörtern an Stelle von Gardinen aufgehängt werden.]

A: „Ich gehe nicht raus. Ich habe alles was ich brauche in meinem Zimmer!“
B: „Dann kann ich verschwinden – mich brauchst du nicht.“
A: „Gehst du?“
B: „Ja.“
A: „Wohin?“
B: „Nun ... raus ...“

[…]