Schatten.

Was soll ich bloß tun?
Ich habe mir Schatten eingeladen und sie verlassen nicht mein Haus. Ich reichte ihnen meinen Körper, aber sie haben meine Seele besetzt wie ein leeres Haus. Abruchreif.
Und alle Worte in der Leere schreien laut ohne Stimme, meine Stimme verglüht, vereist und zerbricht am Gletscher, den die Schatten als Kamin tarnen. Ich kann nicht mehr denken, nicht mehr arbeiten, ich kann nicht mehr leben seit sie sind und ich mit ihnen. Und sie sind schlau. Kommen in der schwachen Sekunde, in der ich meinen Tee absetze und aus dem Fenster schauen will, erzählen schmeichelnde Geschichten, küssen mit sanften Lippen – aber was sie sagen bohrt sich wie Eiszapfen in mein Ohr. Verbluten. Verwachsen. Vergessen.
Waffen führende Guerilleros rufen Che und nennen es Freiheitskampf. Erkämpfen Freiheit mit dem Tod vermeintlicher Angreifer, die mit offenen Mündern sterben, vor Staunen und vielleicht vor einem letzten Wort ... cOmO bildet runde Münder, Aber reißt den Mund weit auf, pEro zieht den Mund zur Fratze, warUm ähnelt einem Kuss.
Was soll ich bloß tun?
Habe meine Waffen mit 18 niedergelegt und operiere noch den Einschuss, langsam bildet sich ein rotblauer Kreis um das Loch in meiner Schulter, und ein zuckender Hügel ziert den Riss in meiner Brust. Ich gebe den Schatten Namen, weil sie sonst beängstigend erscheinen, und ich rauche nicht, weil ich Angst vor dem Tod habe, aber ich stelle es mir vor. Wir drehen uns Zigaretten und schnippen die Asche in leere Rotweinflaschen, viele sind es. Wir dichten Slogans für Graffiti, wir tätowieren unsere Arme, und meine Hände schmieren pausenlos Pausenbrote, nur einen Moment noch, den letzten Schluck Wein, dann ... Gehe ich zur Tür hinaus und hinterlasse nur ein Streichholz? Reiße ich den Zaun ein und renne in ein Licht erleuchtetes Leben hinaus, das Schatten frisst?
Gibt es ein Ziel für einen Menschen, der sich nicht erinnern kann, wie es war, als er eins war?

Ich trage Besucher im Kopf – findet heraus, ob es Außerirdische sind.
Ich höre Stimmen im Ohr – findet heraus, ob es Dämonen sind.
Ich führe Schwerter im Herzen – was ihr herausfindet, wird blasphemisch sein.

Was nur soll ich tun?
All diese Worte retten nicht, bergen nicht das Wrack am Meeresgrund, befreien nicht die Hand aus Algenlocken, die Lieder für mich singen. Ich fürchte mich. Vor Schritten auf Parkett, vor Amerika, vor der Nähe, die sich als Entfernung tarnt. Ich lächle in den Spiegel – denn er ist blind.
Tänzelnde Schatten reihen sich vor mir auf, werfen mit Steinen in den ruhigen See, erinnern an Bilder, die ich nie gemalt habe und lachen verlockend.
Einsame Schatten legen Perlen vor meine Füße, reiben ihre Nase an meinem Bauch und flüstern verwirrend.
Flirrende Schatten hauchen Rauch über mein Gehirn, singen trunkene Lieder, bauen Brücken aus Knochen und Haut und laden lächelnd ein.

‚Gib mir deine Hand, ich führe dich in eine Höhle. Geboren aus Feuer, versunken im Stahl, niemals wird dies dein Ende sein. Es gibt keinen Tod.
Nur Mangel an Liebe.’